Unsere Ablaufschritte bei der Kitzrettung

Hier stellen wir unsere Ablaufschritte bei der Kitzsuche vor und erklären die einzelnen Punkte. Die Suche ist die wichtigste Maßnahme bei der Kitz-& Wildtierrettung, aber auch die adäquate Sicherung der Tiere darf nicht vernachlässigt werden!


Beobachtung / Erkundung

Bevor die Zeit der Mahd beginnt, versuchen wir uns einen Überblick über die Population der Wildtiere auf den jeweiligen Wiesen zu verschaffen. So versuchen wir abzuschätzen, auf welchen Flächen sich Rehkitze aufhalten könnten. Manchmal können wir, wenn das Gras noch nicht all zu hoch ist, Rehkitze entdecken, wenn Sie von der Ricke gesaugt werden. Diese Flächen haben dann Priorität.

 

Einsatz eine Drohne (sobald wir eine haben)

Ab Ende April könnten wir dann gezielt die Flächen mit einer Drohne absuchen und so noch einmal die stark gefährdeten Flächen identifizieren.

Ricke in einer Wiese
Ricke in einer Wiese auf der wir später eine Kitz entdeckt haben
Ricke mit Kitz gesichtet, solch eine Wiese hat nun Priorität!
Ricke mit Kitz gesichtet, solch eine Wiese hat nun Priorität!
Ricke mit Kitz
Ricke mit Kitz


Absprachen

Viele verantwortungsbewusste Landwirte nehmen unsere Unterstützung in Anspruch und informieren uns rechtzeitig, wann und wo gemäht werden soll. Entweder werden am Tag vor der Mahd die jeweiligen Flächen angefahren oder mit Hilfe einer App besprochen. Nun kommen unsere Beobachtungen und auch die des Landwirtes (viele Landwirte können gute Einschätzungen abgeben, wo sich Kitze aufhalten könnten) zum tragen. Wir legen dann die Reihenfolge der Suche fest. Auch wenn sich viele Vereinsmitglieder extra Urlaub nehmen, haben wir nicht immer genügend Personal zu verfügung um alle Flächen rechtzeitig abzusuchen. Leider müssen wir dann im Vorfeld entscheiden, welche Flächen wir nicht absuchen können.      

 


Vergrämung

Nicht jeden Tag stehen uns genügend Läufer für die Suche zur Verfügung. Dann müssen wir entscheiden, welche Flächen wir absuchen können und welche nicht. Auf den Flächen, die nicht abgesucht werden, werden dann zumindest Störaktionen durchgeführt. Das beinhaltet das grobe Durchlaufen der Wiese und das Aufstellen von selbstgebauten "Wildscheuchen" spätestens am Abend vor der Mahd. Wenn das Wild noch genügend Ausweichflächen hat besteht die Chance, dass ältere Jungtiere aus der Wiese in Sicherheit gebracht werden. Um dies zu erreichen müssen deutlich mehr als 1-2 Wildscheuchen auf der Wiese stehen!

einfache Wildscheuchen auf einer Wiese
einfache Wildscheuchen auf einer Wiese
einfache Wildscheuchen auf einer Wiese
einfache Wildscheuchen auf einer Wiese


Kitzsuche

Am Tag der Mahd werden die Wiesen mit einer möglichst dichten Menschenkette abgesucht.

mit geringen Abstand zwischen den Läufern wird die Wiese abgesucht
mit geringen Abstand zwischen den Läufern wird die Wiese abgesucht

Aufmerksames Absuchen der Wiese ist dabei sehr wichtig, denn die kleinen Kitze sind im hohen Gras leicht zu übersehen. Junghasen entdeckt man meistens nur, wenn sie sich bewegen.

 

Den Einsatz von Hunden lehnen wir mittlerweile komplett ab. Selbst ausgebildete Jagdhunde können kein Kitz aufspüren, da die kleinen Kitze während der ersten Wochen keinen Geruch haben. Sollte ein Hund rein zufällig über ein Kitz stolpern, ist die Gefahr sehr groß, dass der Hund zuschnappt. Ausserdem bedeuten Hunde auf der Wiese einen noch größeren Stressfaktor für die Kitze. 

man muss schon ganz genau hinsehen um dieses Kitz zu entdecken
man muss schon ganz genau hinsehen um dieses Kitz zu entdecken
im hohen Grass liegendes ganz junges Rehkitz
im hohen Grass liegendes ganz junges Rehkitz
auf jede Grasöffnung muss man achten, dort könnte ein Kitz liegen
auf jede Grasöffnung muss man achten, dort könnte ein Kitz liegen

gut verstecktes junges Rehkitz im hohen Gras
gut verstecktes junges Rehkitz im hohen Gras
ein bisschen weiter links oder rechts und man läuft daran vorbei
ein bisschen weiter links oder rechts und man läuft daran vorbei


Sicherung

Bevor ein junges Wildtier angefasst wird, müssen die Hände mit Gras und/oder Erde abgerieben werden um den menschlichen Geruch zu reduzieren. (Auch von Leder- oder Gummihandschuhe wird Geruch übertragen!)

 

Ganz junge Kitze werden am Rand der Wiese unter Körben gesichert. Weil sie auch noch lange nach dem Freiassen zusammengerollt an Ort und Stelle verharren, sollte dort noch viel hohes Gras als Deckung stehen bleiben und am Besten im Schutz von Bäumen und/oder Sträuchern. Ohne Deckung könnten sie von Fressfeinden leicht entdeckt werden. Dann mit einer ordentlichen Lage Gras das Kitz umfassen und in Sicherheit bringen.

 

Von Beginn der Suche bis dann endlich der letzte Mäher, Wender oder Schwader die Wiesen verlassen hat, vergeht eine Menge Zeit. Deshalb muss man den Sonnenstand beachten, damit die gesicherten Kitze (besonders an heißen sonnigen Tagen) immer im Schatten liegen. Zusätzlich werden die Körbe mit Gras abgedeckt. Zum einen ist dies ein weiterer Sonnenschutz und nach unseren Erfahrungen beruhigen sich aufgeregte Kitze dann schneller. Dann liegen sie zusammengerollt und horchen  aufmerksam oder schlafen sogar.

 

Größere Kitze können, wenn möglich, am Fundort gesichert werden. Meistens laufen die größeren Kitze sowieso gleich nach dem Freilassen los und suchen sich ein neues Versteck. So besteht keine Gefahr das Geruch übertragen wird (was Fressfeinde auf das Kitz aufmerksam machen könnte) und es ist für alle stressfreier. Die größeren Kitze können schon ordentlich schreien und strampeln!

 

 

 

Update > Juni 2018

 

Seit diesem Jahr decken wir die Körbe im oberen Bereich mit einer Stoffhaube ab und dann erst wird der Korb von der Sonnenseite mit viel Gras abgedeckt. Dadurch verhindern wir, dass Gräserpollen in die Augen der Kitze fallen.

Ein gelber Wimpel markiert die Stelle, an der das Kitz liegt. Somit weiß der Landwirt sofort, an welcher Stelle wir das Kitz gesichert haben.




Freilassung & Nachkontrolle

Nachdem die letzte Landmaschine die Wiesen verlassen hat, werden die Kitze wieder frei gelassen.

Dann ziehen wir uns zurück, damit die Ricke sich nicht weiter gestört fühlt und zu ihren Kitzen zurück kommen kann.

Manchmal können wir sofort erleben, wie die Ricke zu ihren Kitzen kommt oder wir kontrollieren nach 2-3 Stunden, ob die Kitze abgeholt wurden.