Unsere Ablaufschritte bei der Kitzrettung

Hier stellen wir unsere Ablaufschritte bei der Kitzsuche vor und erklären die einzelnen Punkte. Die Suche ist die wichtigste Maßnahme bei der Kitz-& Wildtierrettung, aber auch die adäquate Sicherung der Tiere darf nicht vernachlässigt werden!


Beobachtung / Erkundung

Bevor die Zeit der Mahd beginnt, versuchen wir uns einen Überblick über die Population der Wildtiere auf den jeweiligen Wiesen zu verschaffen. So versuchen wir abzuschätzen, auf welchen Flächen sich Rehkitze aufhalten könnten. Manchmal können wir, wenn das Gras noch nicht all zu hoch ist, Rehkitze entdecken, wenn Sie von der Ricke gesäugt werden. Diese Flächen haben dann Priorität. 

 

Ricke in einer Wiese
Ricke in einer Wiese auf der wir später ein Kitz entdeckt haben
Ricke mit Kitz gesichtet, solch eine Wiese hat nun Priorität!
Ricke mit Kitz gesichtet, solch eine Wiese hat nun Priorität!
Ricke mit Kitz
Ricke mit Kitz


Flächen verwalten

 

Um die ganzen Flächen zu katalogisieren und zu verwalten nutzen wir die Software "Fieldmargin". Die gibt es als Browserversion und als App fürs Smartphone.

 

Für jeden Landwirt legen wir eine "Farm" an und zeichnen die jeweiligen Flächen ein. Wir wissen dann, wie groß die jeweiligen Flächen sind und können sie nach unseren Bedürfnissen markieren.

 

Unsere Teammitglieder haben die App auf ihren Smartphones. So weiß man, welche Flächen für den Tag geplant sind. Wir markieren die Fläche, ob sie noch abgesucht werden müssen, ob sie schon abgesucht wurden und wo Rehkitze gesichert wurden. Durch die angezeigte eigene GPS-Position und der Navi-Funktion kann man sich zu den Fläche führen lassen.



Absprachen

Viele verantwortungsbewusste Landwirte nehmen unsere Unterstützung in Anspruch und informieren uns rechtzeitig, wann und wo gemäht werden soll. Entweder werden am Tag vor der Mahd die jeweiligen Flächen angefahren oder mit Hilfe der App "Fieldmargin" besprochen. Nun kommen unsere Beobachtungen und auch die des Landwirtes (viele Landwirte können gute Einschätzungen abgeben, wo sich Kitze aufhalten könnten) zum tragen. Wir legen dann die Reihenfolge der Suche fest. Auch wenn sich viele Vereinsmitglieder extra Urlaub nehmen, haben wir nicht immer genügend Personal zu verfügung um alle Flächen rechtzeitig abzusuchen. Leider müssen wir dann im Vorfeld entscheiden, welche Flächen wir nicht absuchen können.      

 


Kitzsuche mit der Drohne

Seit 2020 setzen wir eine Drohne mit Wärmebildkamera ein. 

Beim Einsatz der Drohne starten wir früh morgens gegen 04 Uhr. Um diese Uhrzeit ist die Wärmebildkamera am effektivsten. Dann sind wir in der Lage schnell und zielsicher die Rehkitze zu orten. 

unsere Drohne
unsere Drohne


Aufmerksames Absuchen der Wiese ist dabei sehr wichtig, denn die kleinen Kitze sind im hohen Gras leicht zu übersehen. Junghasen entdeckt man meistens nur, wenn sie sich bewegen.

 

Den Einsatz von Hunden lehnen wir mittlerweile komplett ab. Selbst ausgebildete Jagdhunde können kein Kitz aufspüren, da die kleinen Kitze während der ersten Wochen keinen Geruch haben. Sollte ein Hund rein zufällig über ein Kitz stolpern, ist die Gefahr sehr groß, dass der Hund zuschnappt. Ausserdem bedeuten Hunde auf der Wiese einen noch größeren Stressfaktor für die Kitze. 

man muss schon ganz genau hinsehen um dieses Kitz zu entdecken
man muss schon ganz genau hinsehen um dieses Kitz zu entdecken
im hohen Grass liegendes ganz junges Rehkitz
im hohen Grass liegendes ganz junges Rehkitz
auf jede Grasöffnung muss man achten, dort könnte ein Kitz liegen
auf jede Grasöffnung muss man achten, dort könnte ein Kitz liegen

gut verstecktes junges Rehkitz im hohen Gras
gut verstecktes junges Rehkitz im hohen Gras
ein bisschen weiter links oder rechts und man läuft daran vorbei
ein bisschen weiter links oder rechts und man läuft daran vorbei


Sicherung

Bevor ein junges Wildtier angefasst wird, müssen die Hände mit Gras und/oder Erde abgerieben werden um den menschlichen Geruch zu reduzieren. (Auch von Leder- oder Gummihandschuhe wird Geruch übertragen!)

 

Ganz junge Kitze werden am Rand der Wiese unter Körben oder in Transporttaschen (für Hunde) gesichert. Weil sie auch noch lange nach dem Freilassen zusammengerollt an Ort und Stelle verharren, sollte dort noch viel hohes Gras als Deckung stehen bleiben und am Besten im Schutz von Bäumen und/oder Sträuchern. Ohne Deckung könnten sie von Fressfeinden leicht entdeckt werden. Dann mit einer ordentlichen Lage Gras das Kitz umfassen und in Sicherheit bringen.

 

Von Beginn der Suche bis dann endlich der letzte Mäher, Wender oder Schwader die Wiesen verlassen hat, vergeht eine Menge Zeit. Deshalb muss man den Sonnenstand beachten, damit die gesicherten Kitze (besonders an heißen sonnigen Tagen) immer im Schatten liegen. Zusätzlich werden die Körbe/Taschen mit Gras abgedeckt. Zum einen ist dies ein weiterer Sonnenschutz und nach unseren Erfahrungen beruhigen sich aufgeregte Kitze dann schneller. Dann liegen sie zusammengerollt und horchen  aufmerksam oder schlafen sogar.

 

Größere Kitze können, wenn möglich, am Fundort gesichert werden. Meistens laufen die größeren Kitze sowieso gleich nach dem Freilassen los und suchen sich ein neues Versteck. So besteht keine Gefahr das Geruch übertragen wird (was Fressfeinde auf das Kitz aufmerksam machen könnte) und es ist für alle stressfreier. Die größeren Kitze können schon ordentlich schreien und strampeln!

 

Wir decken die Körbe im oberen Bereich mit einer Stoffhaube ab und dann erst wird der Korb von der Sonnenseite mit viel Gras abgedeckt. Dadurch verhindern wir, dass Gräserpollen in die Augen der Kitze fallen.

 

Ein gelber Wimpel markiert die Stelle, an der das Kitz liegt. Somit weiß der Landwirt sofort, an welcher Stelle wir das Kitz gesichert haben.

 

 

 




Freilassung

Nachdem die letzte Landmaschine die Wiesen verlassen hat, werden die Kitze wieder frei gelassen.

Dann ziehen wir uns zurück, damit die Ricke sich nicht weiter gestört fühlt und zu ihren Kitzen zurück kommen kann.

 



Projektförderung durch:

Bingo Umweltlotterie
Deutsche Postcode Lotterie
Klara Samariter-Stiftung
Klara Samariter-Stiftung



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zuletzt aktualisiert am 05.03.2021